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Erstellungsdatum: 12.1.2006
TRANSFORMERS und STAR WARS
oder Graphische und dramaturgische Anleihen der 80er Jahre Zeichentrickserie beim 'Krieg der Sterne'
von Lord Unicron
George Lucas revolutionierte 1977 mit Episode IV seiner Weltraum-Saga die Kinowelt in vielerlei Hinsicht. Sicherlich waren die damaligen Spezialeffekte bahnbrechend - und was es davon in die Special Edition geschafft hat, überzeugt größtenteils auch heute noch. Ohne den damals eingeschlagenen Weg wären technische Meisterleistungen wie 'Jurassic Park' oder 'Terminator' nie möglich gewesen. Sein persönliches Verdienst ist zudem eine gelungene Wiederbelebung des Science-Fiction Genres, wenn man bedenkt, daß die letzten großen, innovativen Filme dieser Art ('Planet der Affen' von 1968 mit Charlton Heston oder Stanley Kubricks '2001: Odyssee im Weltraum' von 1968) bereits ein gutes Jahrzehnt zurücklagen. Entscheidend ist jedoch die Kommerzialisierung seines Produkts 'Star Wars'. Es ist hinreichend bekannt, daß Lucas sich die Merchandising-Rechte an seinem Film sicherte und alleine durch den Verkauf von Han Solo-Puppen oder Yoda-Rucksäcken zum Multimillionär wurde. Dieses Prinzip eignete sich der eine oder andere Produzent in Folge an - und auch darüber hinaus mangelt es in der Film- und Fernsehlandschaft nicht an 'Star Wars'-Anleihen.

1984 eroberte die weltweit erfolgreichste Zeichentrickserie der 80er Jahre, 'The Transformers', die Kinderherzen einer Generation. Die Story war definitiv einfallsreich: Außerirdische Roboter, die sich in Fahrzeuge oder Flugzeuge verwandeln können, landen auf der Erde und führen den auf ihrem Heimatplaneten herrschenden Bürgerkrieg (Vgl. Rebellion vs. Imperium) auf der Erde fort. Der kommerzielle Clou des Cartoons lag in der durch 'Star Wars' errungenen Erkenntnis, daß sich mit Kindern und Sammlern (d.h. Kind-Gebliebenen) eine Menge Geld verdienen läßt. So kennzeichnete sich die Serie dadurch, daß in beinahe jeder der 90 Folgen eine neue Figur vorgestellt wurde, die es dann natürlich auch als Spielzeug zu erwerben gab. Über diese Grunderkenntnis hinaus möchte ich im Folgenden einige eindeutige graphische und dramaturgische Parallelen zwischen den beiden Universen ziehen und dem 'Star Wars'-Fan an diesem Beispiel verdeutlichen, welchen Einfluß George Lucas Science-Fiction-Ästhetik auf folgende Generationen gehabt hat.

Ein filmhistorisches Novum bei 'Star Wars' stellen die Droiden dar, also künstliche Intelligenzen, die eine Persönlichkeit besitzen. R2-D2 ist ein zuverlässiger, spaßiger (man bedenke: er kann Lieder pfeifen!!!) Roboter mit scheinbar unzähligen Gimmicks. C3PO hat mit seiner ungelenken Art und seinen besserwisserischen Kommentaren sicher nicht weniger Anhänger. Die beiden stellen wahrscheinlich so etwas wie die Väter der Transformers dar. Seit Ende der 70er Jahre entwarf die japanische Firma Takara, auch beeinflußt durch Lucas Droiden, verwandelbares Roboterspielzeug. Anfang der 80er Jahre arbeiteten die Japaner schließlich an der Zeichentrickserie 'The Transformers' mit dem amerikanischen Konzern Hasbro zusammen, der die Idee hatte, das Spielzeug in eine Geschichte einzubinden. Diese Roboter sind wie die 'Star Wars'-Droiden Individuen - teilweise vielleicht sogar noch menschlicher. Sie besitzen Entscheidungsfreiheit darüber, welcher Fraktion sie sich anschließen wollen, den guten Autobots unter der Führung von Optimus Prime oder den bösen Decepticons, deren Anführer Megatron sich ähnlich den Absichten von Imperator Palpatine das Ziel gesetzt hat, die Galaxis zu erobern.

Vor allem das Design des machtgierigen Megatron, d.h. seines Kopfes, trägt unübersehbare Züge des Darth Vader-Helmes.

Auch andere Transformer weisen in Form und Gestaltung durchaus Ähnlichkeiten mit Droiden auf. Optimus Primes Visier beispielsweise weist klare Anleihen bei den Medical-Droids auf.

Einer der interessantesten Charaktere ist der Roboter Starscream, dessen Name möglicherweise nicht ungewollt an den Nachnamen der Skywalker-Familie erinnert, die in Lucas ursprünglicher Konzeption der Saga Starkiller heißen sollte. Starscream weist durch einen weiteren Aspekt 'Star Wars'-Charakteristiken auf: Nach seiner Tötung durch Galvatron kehrt er als farblich schimmernder Geist zurück, ähnlich den toten Jedi, die den Weg kennen, Kontakt zu den Lebenden aufzunehmen. Starscream allerdings setzt alles daran, einen neuen, lebendigen Körper zu erhalten.

Auch die sekundären Energon-Waffen der Transformers erinnern entfernt an die 'Star Wars'-Lichtschwerter - mit dem Unterschied, daß sie die Form von Äxten oder Morgensternen annehmen können. Das Lichtschwert an sich stellt ohnehin eine der am häufigsten kopierten Waffen dar. Die Schüsse der Transformers-Gewehre gleichen zudem, wie sollte es auch anders sein, denen der 'Star Wars'-Blaster.

Vor allem 1986 wird mit 'Transformers - The Movie' (einem Film, den auch objektive Kritiker als gut umgesetzten Zeichentrickfilm betrachten - 6.9 von 10 Punkten bei www.imdb.com) eine Reihe von Motiven eingeführt, die man beinahe schon Plagiate schimpfen könnte. So rollen beispielsweise bei den Opening Titles des Films die Zeilen wie bei 'Star Wars' nach oben durch und werden immer schmaler. In dem Film stellt sich allen Transformers eine neue, nie zuvor dagewesene Bedrohung: der böse Riesenroboter Unicron, Chaosbringer, der sich in Gestalt eines Planeten durch die Galaxis bewegt und alles vertilgt, was sich ihm in den Weg stellt. Er ist verantwortlich für die Auslöschung einiger Transformers-Rassen. Natürlich geht diese Idee eines Planeten mit der Kraft, andere Planeten zu vernichten, auf den Todesstern, die ultimative Waffe des Imperiums zurück, und bei Unicrons Auftritten wird der 'Star Wars'-Fan unweigerlich an die Zerstörung Alderaans erinnert. Zum guten Schluß explodiert Unicron von innen heraus, ganz wie sein Vorbild.

Schließlich gibt es auch bei den 'Transformers' eine Prophezeiung: One day an Autobot shall rise from our ranks to lighten our darkest hour. (Optimus Prime, 'Transformers - The Movie') Dieser Zeitpunkt ist schließlich gekommen, als Rodimus Prime, Optimus Primes Nachfolger, mit Hilfe der Autobot-Matrix Unicron zerstört. Auch die 'Transformers' besitzen also einen Auserwählten (Vgl. dazu den Aufsatz von Lord Qudus).

Allerdings wird die Prophezeiung in der Original Trilogy nicht erwähnt, sondern zum ersten Mal erst 1999 in Episode I. Auch die Tatsache, daß die Zerstörer-Droiden gewissermaßen eine zweite Gestalt annehmen, um sich fortzubewegen, läßt die Frage offen: Haben die 'Transformers' möglicherweise rückwirkend Einfluß gehabt auf 'Star Wars'? Vielleicht wird der am 04.07.07 erscheinende und von George Lucas Freund Steven Spielberg produzierte Transformers Live-Action Film neuen Gesprächsstoff für diese Diskussion hinzufügen.

Die 'Transformers' haben 'Star Wars' viel zu verdanken, wie zahlreiche andere Cartoons, Mangas, Serien und auch Filme. Wie C3PO zu sagen pflegt: Thank the Maker! ('Star Wars' - Episode IV)


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